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 Post subject: Mein Blog – 20.03.2006, 00:01 Uhr, erster Eintrag
PostPosted: 20.03.2006, 00:01 
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Joined: 20.03.2005, 20:38
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Mein Blog – 20.03.2006, 00:01 Uhr, erster Eintrag

Hm… ein bisschen krank zu sein kann manchmal nicht schaden. Wann sonst hat man so schön Zeit die wunderbare Errungenschaft der österreichischen Television zu genießen?
Versteht mich bitte nicht falsch, liebe Leser, dies mag vielleicht sarkastisch klingen, aber ich denke tatsächlich, dass der ORF regelmäßig seine Sternstunden hat. Zumindest, seit ich ATV+ über meine herkömmliche Zimmerantenne empfange.
Notiz am Rande: um Euch nicht den Eindruck zu vermitteln, in den tiefen Wäldern meiner einsiedlerischen Heimat gäbe es keinen Satellitenempfang, aber da ich auf meinem SAT-tauglichen Wohnzimmer-Fernseher (der in erster Linie dazu dient, Kunstfilme mit zwei erotischen, weiblichen Hauptdarstellerinnen in gewagten Posen über DVD abzuspielen) aus zu tiefster moralischer Überzeugung nahezu alle Sender außer 3Sat und ARD während der Sendezeit von Harald Schmidt (ok, und ORB während der wunderbaren Sendung zur Förderung des Gedankens der Leibesertüchtigung "Sport im Osten“) gesperrt habe, sehe ich es nicht als essentiell notwendig, das Kabel auszugraben, das den Fernseherin meinem Schlafzimmer mit der Welt der internationalen Ton- und Bildübertragung verbindet. Oh… ein ganz schön langer Satz – ich hoffe, dass ich damit das Zwanzig-Uhr-Fünfzehn-ATV+-Publikum unter Euch, liebe Leser, nicht allzu sehr überfordert habe.
Aber weiter im Programm: Wo liegen die Qualitäten des öffentlich rechtlichen Fernsehens in unserem wunderbaren Land? Nun ja – sicherlich nicht in Unterhaltungssendungen mit tanzenden B-Klasse-Arbeitslosen mit Drogenkarriere und Sonntag-Abend-Filmen bei denen ein weibliches Michael-Jackson-Double es nicht schafft, einen anscheinend gut aussehenden Multimilliardär abblitzen zu lassen, um die Ideale ihrer im Jahre 1968 hängen gebliebenen (bitte achtet besonders auf die Wahl der letzten zwei Worte vor dieser Klammeranmerkung) Eltern nicht zu verraten.
Doch spätestens wenn jeden Tag um 19:45 auf beiden Österreichischen Staats-Sendern – die Zeit im Bild, kurz ZIB, liebe Leser – ihr Ende findet, kann man, wenn man genau hinschaut, die äußerst authentisch wirkenden Kleinlichkeiten finden, die mich in verträumten Momenten noch auf das geringe Vorhandensein von althergebrachtem Hausverstand in unserem österreichischem Kulturraum hoffen lassen. Ok, langsam wird es wirklich Zeit zu erzählen, worauf ich hinaus will. Also, dem aufmerksamen Beobachter wird am Ende dieser Nachrichtensendung folgendes auffallen: alle Moderatoren, falls vorhanden sogar der Sportmoderator, werden während dem Abschwenken der Kamera ihre Unterlagen, oder was auch immer diese Blätter darstellen sollen, sortieren, stapeln oder ordnen. Aber warum? Man sieht die Moderatoren während der Sendung schließlich nie auf diese Schriftstücke hinblicken. Der Text, den sie uns während der Lifeübertragung offenbaren, kann darauf also nicht vorzufinden sein. Außerdem wäre es töricht anzunehmen, die ZIB-Redaktion hätte keine Souffleur-Monitore außerhalb des für den Zuseher zugänglichen Bildes positioniert.
Nun, mir für meinen Teil scheint der Grund für diese Gepflogenheit klar. Das durchblättern von leeren Unterlagen am Abschluss der Sendung soll dem Seher den Eindruck vermitteln, ein Magazin gesehen zu haben, dass heute noch die gleiche Qualität bieten würde wie vor 35 Jahren, als die Moderation noch von in Graustufen übertragenen souveränen Whiskey-Trinkern übernommen wurde, die tatsächlich sprachlich korrekt verfasste Dokumente vor sich liegen hatten, von denen sie ihren Text ablesen konnten. Und es funktioniert! Nicht die Tatsache, dass die ATV+-Nachrichtensendung von einer kleinformatigen Tageszeitung mit mehr als zweifelhaftem Ruf gesponsert wird, oder dass dort regelmäßig ausgesprochen lange Berichte über verwirrte Weidentiere, die unabsichtlich auf irgendwelche Dächer geklettert sind, gebracht werden, lässt mich der ZIB treu bleiben. Sondern ganz eindeutig die Tatsache, dass mir die traditionellere der beiden Sendungen eine nahezu romantische Authentizität vermittelt.
Aber genug abgeschweift, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja – Weidentiere. Wusstet Ihr, liebe Leser, dass diese in unserer schnelllebigen, postmodernen Welt als immer beliebter werdende Haustiere dienen? Ja, erst heute ist eine kleine Familie (deren Zugehörigkeit zur anerkannten Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas ich stark vermute) mit einer kleinen, schwarzen Ziege an einer Leine direkt vor meiner Haustüre vorbeispaziert. Warum? Beginnen die Leute denn nun schon, sich schlachtbares Nutztier für globale Wirtschafts- oder Seuchenkatastrophen und sonstige Notfälle am eigenen Balkon zu halten? Oder hat es die hoch geschätzte Zeit im Bild etwa vernachlässigt, mir mitzuteilen, dass der allseits beliebte H5N1-Virus nun auch für Hunde verfügbar ist? Wohl eine Frage für Experten.
Experten. Kennt Ihr die Sendung „Offen gesagt“? Neben der ausführlichen ZIB 2 und natürlich der hoch informativen ZIB 3 an Sonntagabenden meine absolute Lieblingsgelegenheit um mir meine 1g-Augmentin™-Breitbandantibiotika-Filmtablette mit einem kühlen Bierchen eines steirischen Herstellers, der hier nicht genannt werden will, hinunterzuspülen. Wie gerne würde ich mich ein mal im Publikum dieser elitären Diskussionsrunde befinden, aber wie groß wäre die Gefahr, in Handschellen abgeführt zu werden, nachdem ich aufgesprungen bin um den zu meinen Gedanken oppositionellen Teilnehmern einen Schlag auf den Kehlkopf zu verpassen.
Aber gestern, bzw. vor etwa einer Stunde, war die Sendung sogar außergewöhnlich interessant. Das Thema: „Rekordgewinne – hohe Preise“. Auf der einen Seite der Herausgeber des Trendmagazins „Trend“ (welcher einem Stundenten vorgeschlagen hat, das kaputte Dach in seinem Hörsaal selbst zu reparieren), ein Seitenscheiteltragender Mann der Wirtschaft und ein italienischer Vertreter der österreichischen Telekom. Auf der anderen Seite ein Vertreter der Arbeiterkammer und Frau Kübelböck von der internationalen Globalisierungs-Gestaltungs-Organisation „ATTAC“.
Diesmal wäre es wieder besonders hart gewesen, im eher uninteressiert wirkenden Publikum zu sitzen, bzw. sich ruhig zu verhalten. Nicht dass ich mich auf die Seite der links-humanistischen Wirtschaftssystemkritiker stellen will, aber jeder Mensch mit aktuell gültiger Existenzberechtigung in diesem Studio hätte es als seine Pflicht ansehen müssen, den rhetorisch perfekten Kapitalismus-Gewinnern mit dem Ausstoß beliebiger Körperflüssigkeiten in deren Gesicht auf ihre fadenscheinige Argumente entgegnen zu müssen.
Nun gut. Nicht dass ich den legeren Telekom-Mann mit Dreitagebart und fortgeschrittener Nackenmuskulaturverkürzung nicht verstehen würde, immerhin hat er doch wirklich den bemitleidenswerten Eindruck gemacht, sich angesichts der angespannten Situation schon sehr auf seinen nächsten Dezimeter „Real Disco Stuff“ zu freuen. Noch dazu hatte er schon genug mit der Abwehr des Dranges zu Kämpfen, seinen Diskussionspartner ein Angebot zu machen, das sie nicht abschlagen können. Aber zumindest das ausgelassene Lachen zu einem Gegenargument, die Erschwinglichkeit von Lebensmittel, Wohnraum und Energieversorgung wäre wichtiger, als günstiger Zugang zu Breitbandinternetanschluss, hätte er sich sparen können. „Schiache Wöd“, wie der weltfremde Landbewohner zu sagen pflegt.
Aber genug geschwafelt. Bis hierhin hat ja sowieso niemand gelesen, oder? Sollte ich jetzt vielleicht geheime Botschaften verbreiten? Nein. Keine Sorge, gleich bin ich freitig.
Ich für meinen Teil werde mich jetzt auf das Ende der Filmproduktion „Dogma“ konzentrieren, welche ich mir bei jeder Gelegenheit im Fernsehen ansehe, obwohl die DVD eigentlich immer griff bereich wäre. Eine Übertragung mit funktionierendem Teletext ist einfach ein Nostalgie-Relikt, dem ich nicht absagen kann.
Vielleicht werde ich Euch, liebe Leser, von diesem Meisterwerk der Religions-Satire zu einem späteren Zeitpunkt, an dem ich vielleicht auch eine wünschenswertere Körpertemperatur vorweise, ausführlicher erzählen.
Lasst mich zum Abschluss nur noch die Bitte an Euch richten, euch möglichst bald in einem stillen Moment Gedanken zur Frage zu machen, in der Form des Helmes welches legendären Science-Fiction-Bösewichtes man sich sein Eigentumshaus errichten könnte. Genug nun.

Mit freundlichen Grüßen

J. C. Zeller

Anmerkung: Mögliche Kommentare zu diesem Eintrag sind bitte hier abzugeben: http://www.dr-zeller.com/Forum/viewtopic.php?t=814
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