| Koarl - Rock'n'Roll Rampage | |
| Rock ‚n’ Roll Rampage
Von Karl Stiefel Gewidmet dem Erfinder des Kipp-Schalters Eigentlich war mein Sommer von vornhinein verpfuscht…hätte ich nur mehr für Buchhaltung gelernt und weniger Gesoffen unter dem Schuljahr, hätte ich auch keine Nachprüfung aufgebrummt bekommen. Aber was solls? Einen Monat hatte ich ja, um möglichst effizient so viel Blödsinn zu machen wie es nur geht. Sex, Drugs and Rock ‚n’ Roll, Blackjack, Nutten und Käse-Dip waren angesagt. Was wäre besser für ein solches Vorhaben geeignet, als ein Festival mit Kult-Status: das FREQUENCY (furchteinjagendes Echo)! Einziges Problem: der ganze Spaß findet im August statt...mist! Also erst mal den ganzen Juli sinnlosen Schwachsinn anstellen, zu Konzerten gehen und auf die drei Tage freuen, die einen den ganzen Sommer versüßen werden. Nach etlichen Partys, Saufgelagen, Trinkereien, Besäufnissen und Mitternachts-Besuchen bei Mc Donnalds war es endlich so weit: das Frequency stand direkt vor der Tür. Zu dritt ging es auf zum größten Supermarkt Österreichs, um uns mit Alkohol, Red Bull und Marmorkuchen einzudecken. 45 Minuten beim Alkohol, 5 Minuten für Ravioli in Dosen den Rest der Besorgungen... Der Schock kam bei der Kassa, als wir auf die Rechnung starrten. Wir hatten zu dritt 210 € ausgegeben. Dieses Festival konnte nur gut werden. Achtung: jetzt wird’s kompliziert. Meine Kollegen Daniel, seines Zeichens Bassist meiner Band, und zwei seiner Genossinen vom Strikesquad (dem Street-Team von 3 Feet Smaller) und ich hatten vor, mit dem Zug ins schöne Salzburg und von dort mit dem Shuttle-Bus zum Festival zu fahren. Chris, besser bekannt als „Mc Gyver“ oder „The Tank“, fuhr davor mit unserem Proviant nach Salzburg, kiffte sich einige Tage mit seinen Verwandten zu und hatte dann vor, zu uns zu stoßen, nachdem wir unser und sein Zelt am Campingplatz aufgebaut haben. So viel zum Plan. Jetzt die Ausführung des Ganzen: Erst mal Daniel abgeholt und mit ihm zum Bahnhof – ums Auto soll sich dann meine Mutter kümmern. Dann vom schönen Brunn am Gebirge nach Wien zum Westbahnhof mit einem Rucksack, der mindestens so viel wog wie ich. Dort die Mädels getroffen und schnellstmöglich in den Zug. Nachdem dieser losgefahren war und wir noch immer im Gang standen kam die Frage auf Morgen sollte es beginnen, das Festival und das musste begossen werden. Am Abend mit Tequila, am nächsten Morgen mit noch mal genau dem Selben, den man am Vortag getrunken hatte. Fistfuck, war mir schlecht. Laut Zeugen war der Tag sonnig und wolkenfrei. Ich lag fluchend im Zelt und entleerte meinen Magen, was echt nicht schön war... Um 5 gab ich dann wieder ein Lebenszeichen von mir und gönnte mir erst mal ein Frühstück in Form von Marmorkuchen, Red Bull und Stiegel – DAS gibt Kraft. Es folgte ein gemütlicher Abend mit Weezer und Oasis. Tag 2 war angebrochen und ich war wieder einigermaßen auf den Beinen. Nach kurzem Suchen fand ich mein klingelndes Handy im Zelt. „Wo bist du?“ schrie Knirschi, unser Sänger. „Ääääämmm...Frequency? Aber das weist ja.“ antwortete ich verwundert. „Wo genau?“ brüllte er wieder. „Campingplatz Süd, recht nah beim Eingang. Warum?“ Antwort gab es keine, er hatte aufgelegt. 5 Minuten später stand er inklusive Freundin und noch mehr Alkohol vor mir. Mit einen Sprung auf unseren Bassisten weckte Knirschi denselbigen. „Sagamal...wo is der Chris?“ “Am Arbeiten.” “Was?” „Schaus da selber an...“ In diesem Moment kam Chris aus dem Zelt, der den ganzen Vormittag nichts anderes gemacht hatte, als sich einen Joint nach dem Anderen zu drehen. (Deswegen Mc Gyver – immer am Basteln) Mit den überzeugten Worten „Koch ma was?“ begrüßte er Knrischi, seine Freundin und vor allem den Alkohol. Langsam, aber zielstrebig holte er einen Gaskocher und eine Gas-Kartusche aus dem Zelt und fing an, daran rumzupfuschen. „Chris, magst nicht die Anleitung lesen?“ „Na, das passt schon.“„Ich halt das für keine gute Idee“„Ach das passt...“ konnte er gerade noch sagen, bevor die Gas-Kartusche mit einem Knall seinen Pullover einfror und in hohem Bogen zu unserem Camping-Nachbarn flog. Zum Glück war keiner von denen Raucher... Also gab es Chips und Käse-Dip (endlich!!!) zu Mittag. Der Nachmittag bestand aus Stehen, springen und warten. Flogging Molly, Farin Urlaub, Danko Jones und die unglaublich guten Queens of the Stone Age, die bei aufgehendem Mond ein einzigartiges Konzert spielten machten einem klar, warum man eigentlich dort war. Den krönenden Abschluss des Abends machten die Foo Fighters. Danach klauten wir unseren Mitcampern eine Gitarre und spielten bis 4 in der Früh. Der Samstag begann mit dem Geräusch von Regen auf Zeltplanen – es hatte seit 5 geregnet. Nach einem Blick aus dem Zelt drehte ich mich um und legte mich wieder hin. Diagnose: Matsch. Als ich mich aufraffte und einen Regenschutz überzog war es bereits Mittag. Kaum war ich zehn Schritte gegangen zog es mir schon fast einen Schuh aus. Schell Schuhe fester gebunden und mal die Anderen aufgeweckt. Bei einem leckeren Käsedip-Brot und einer gesunden Portion Koffein legten wir fest, dass das Motto des Tages „jeder für sich“ seien sollte. Allein begab ich mich auf das Festivalgelände, wo bereits alle Regen-Ponchos restlos vergriffen waren. Der Regen machte mir nichts mehr aus, als die Beatsteaks die ersten Töne spielten. Gefolgt von Incubus und den Sportfreunden Stiller wurde es immer besser. Wenn man Frauen schön trinken kann, dann kann man Wetter auch schön hören. Aber die Vergangenen Tage sollten bis zur Unkenntlichkeit verblassen (bis auf die Queens of the Stone Age vielleicht) im Angesicht der Headliner schlechthin. Es wurde bereits für die Toten Hosen aufgebaut, als der Regen langsam aber sicher nachließ. Mehr und mehr Betrunkene drängten sich nach vorne, eine „Bis zum bitteren Ende-Flagge“ nach der Anderen wurde gehoben und geschwenkt. Der Gesang der Alkohol-Zombis wurde lauter und als es komplett aufgehört hatte zu regnen waren auch die ersten Töne der Hosen zu hören. In Begleitung eines russischen Volksliedes hissten die Hosen die schwarzen Flaggen und kamen auf die Bühne. „Mach das Flutlicht an, sie kommen gleich raus und dann kann die Show losgehn. Und sie sind nicht allein, denn wir sind dabei, auch wenn es heut aufs Auge geht!“ schrei Campino und die Menge schrie mit ihm. „Endlich mal normale Leute...“ dachte ich mir und grölte mit. Zwei Zugaben später rutschte ich über den komplett zu Matsch gewordenen Campingplatz und legte mich hundemüde ins Zelt. Aber selbst Ohropax halfen nicht gegen die Helga-Schreie. Ich schlief diese nacht nicht mal eine halbe Stunde lang. Um 7 in der Früh gab ich auf, packte meine Sachen und machte mich auf den Weg zurück zum Bahnhof. Aber mein Ziel war nicht etwa Wien, sonder Spital an der Drau in Kärnten, wo ich gerade mal drei Stunden später vor meiner Oma im Anzug stand und ihr zum Geburtstag gratulierte. Von der Zerrissenen Jean und dem Band-Shirt in das edelste und sauberste was ich hatte – dieser Kleidungs-Schock haute mich einfach um, nach einem warmen Essen ging ich auf ein echtes Klo mit Spülung, das nicht aus Plastik bestand und schlief 14 Stunden am Stück einen wohlverdienten Schlaf in einem echten Bett. |